Vernissage am 09.11.2016         开幕式于2016年9月11日举行


画展目录《眼见“为实”》已经由德国东亚出版社出版发行,其中收录了著名美术史家瓦格纳教授、著名汉学家司徒汉教授及著名记者史明先生的专文,详情请见出版社网页:http://www.deutsche-ostasienstudien.de/doas/025.html

本网站的Press栏目已推出文章节选的中文译文


Einleitung

Es sind bereits 50 Jahre vergangen, seit "Die Beispiellose Große Proletarische Kulturelle Revolution" in China in Gang gesetzt wurde. Seither hat sich China stark verändert. Innerhalb der Volksrepublik ist jedoch eine tiefgehende Aufarbeitung dieser einschneidenden historischen Epoche bislang unterblieben. Dieser Umstand ist aber keineswegs einer "historischen Notwendigkeit" geschuldet, sondern muss als das Ergebnis einer absichtlichen Verschleierung angesehen werden.

 

Wenn wir uns erinnern, erinnern wir uns vornehmlich in bildhaften Vorstellungen. Eine Vielzahl von historischen Bildern kommt zu uns, wenn wir heute an jene Zeit zurückdenken. Es sind Bilder, die unser Bewusstsein von dieser Epoche färben und ihr ein bestimmtes Gepräge verleihen. Hinzu kommt, dass die überlieferten Bilder aus jener Zeit zweifelhaft sind: Sie sind fast ohne Ausnahme Produkte einer von der Partei gelenkten Propaganda. Gesellschaft und Alltag waren vor allem durch politische Einflussnahme bestimmt. Sie durchdrang – erkennbar oder auch nicht – alle Dinge und beinahe alle Lebensbereiche der Menschen.


Auf diese Situation der Überlieferung soll und muss die zeitgenössische chinesische Kunst reagieren. Aus diesem Grund haben wir dieses Projekt in Angriff genommen. Wir versuchen, den propagandistischen Fotos aus jener Zeit Bilder der Erinnerung entgegen zu halten. Gleichsam wie ein Palimpsest überlagern diese und die Bilder der Propaganda sich gegenseitig und stellen einander in Frage. Dadurch werden die Fotos von ihrem strahlenden Propaganda-Kolorit entfärbt und zu Zeugnissen der persönlichen Auseinandersetzung. In diesem Sinn wird in einer visuellen Form Erinnerung dem Betrachter sichtbar gemacht. Frau Professor Monika Wagner nennt dieses Bestreben im Katalog zu dieser Ausstellung „Re-education der Bilder".

 

Ni Shaofeng und Deng Huaidong sind in den frühen 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts geboren und haben ihre ersten visuellen Prägungen während der Kulturrevolution erhalten. Sie sind somit Augenzeugen dieser Epoche. Anfang der 80er Jahre, während sie ihre Universitätsausbildung erhielten, durchlebte China eine Zeit der relativen politischen Entspannung. Es sind vielleicht diese Umstände, die ihre reflexive Haltung mitbestimmt haben.

展览前言

 

      “史无前例的文化大革命”发动已经过去了半个世纪。五十年来中国发生了巨大的变化。然而,对文革的全面彻底的反思仍未展开。这一局面的产生并非“历史的必然”,而应视为有意遮掩的结果。

 

      人们主要是通过图像来进行记忆的。回首往昔,各种历史的图像纷至沓来,规定了我们历史记忆的色彩。而文革流传下来的图像却是那样值得怀疑:它们绝大多数是宣传的产物,那是一个泛政治的时代,政治宣传或隐或现地浸染了人们生活的方方面面。

 

       对此,当代中国视觉艺术应有所回应,这也正是本项目的缘由。两位艺术家尝试以个人记忆与文革历史照片加以对照;在相互掩映,相互质疑中,图像退去宣传性的鲜亮,显露出历史的斑驳。历史的记忆从而转化成为可视可睹的形象——眼见的实在。瓦格纳教授在其为本次展览目录所撰写的文章中,将这种做法称为“图像的再教育”。

 

      本项目的两位画家,倪少峰与邓怀东,出生于六十年代初,在文革中度过了人生的早年,轰轰烈烈的文革构成了他们最初的视觉经验,使他们成为文革的目击者。或许是八十年代初期较为宽松的高校教育,让他们形成了对这段历史反思的态度。

 


Die Vorbereitung       布展现场


Die Ausstellung in der Barlach-Halle K in Hamburg

Vom 9. bis 29. November findet in der Barlach-Halle K im Rahmen der China Time Hamburg eine Ausstellung von Bildern der zwei Künstler (Ni Shaofeng und Deng Huaidong) statt.

Laufzeit: 09.11.2016 – 29.11.2016

Öffnungszeiten: Di – Son. 12:0018:00 Uhr


著名媒体人史明先生以中德文化中历史记忆表象的异同为题致开幕辞:

著名媒体人史明先生以中德文化中历史记忆表象的异同为题致开幕辞:

Shi Ming anläßlich der Ausstellungseröffnung:

Vor 20 Jahren, meine sehr verehrten Damen, meine Herren, vor 20 Jahren traf ich in Aachen zufällig einen deutschen Intellektuellen. Wir sprachen über Deutsche und Deutschland. Er beschwerte sich und sagte, junge Deutsche hätten die Nase voll davon, sich ständig an das Dritte Reich erinnern zu müssen, sonst schaffen sie ihr Abitur womöglich gar nicht …Und er selbst habe dafür Verständnis, dass die junge Generation lieber den Blick nach vorn richten wolle. Warum auch nicht, fragte er – eher sich selbst als mich, einen Fremden aus China, der sich wunderte, dass Erinnerungen hierzulande so stark sein können, um eine ganze Generation dazu zu zwingen, sich just dieser Erinnerungen entledigen zu wollen?

Vor zehn Jahren in China traf ich mich mit einer jungen Frau aus Essen, also eine der jüngeren, die laut jenem Intellektuellen in Aachen lieber den Blick nach vorn richten wollten. Sie erzählte mir, dass sie in China von vielen Chinesen so unangenehm an die deutsche Schande, nämlich an das Dritte Reich, erinnert wurde. „Viele Chinesen finden Hitler so übel gar nicht!“ und das beschäme sie. Aus Not, ihren chinesischen Gegenübern in deren verklärten Deutschlandbild jedes Mal korrigieren zu müssen, log sie am Ende, sie sei Schwedin, sagte sie. Da ich mittlerweile weiß, dass die Frau sonst nie lügt, erstaunt mich die Wucht der Erinnerungen noch mehr: Um den Blick nicht nach vorne richten zu müssen, richtet sie ihn woanders hin, ja sie nennt sich eine andere, die sie nicht ist?

Vor fünf Jahren las ich in einem Buch von einem deutschen Historiker, der sich darüber Gedanken machte, wie menschliche Erinnerungen so unzuverlässig sein können. So seien viele Erzählungen, wie die Bombennacht in Dresden verlief, schlicht falsch, wenn man sie mit historisch nachgewiesenen Fakten abgleicht. Während dessen protestierten NPD-Abgeordnete im sächsischen Landtag gegen das Vergessen der deutschen Opfer in jener Nacht. Sie selbst natürlich weigerten sich, Opfer in England, etwa in Coventry zu gedenken – jene historische Ursache, aus der der Vergeltungsakt der Alliierten resultierte.

Diesmal wundere ich mich nicht mehr: Unsre menschlichen Erinnerungen mögen uns traumatisieren, beschämen oder wütend machen. Aber wir, ob wir wollen oder nicht, können uns ihrer nie entledigen. Sonst müssen wir uns leugnen. Sonst, aus Selbstleugnung heraus, geben wir uns preis – u.a. Demagogen aller Colors zum Beispiel.

Wem, meine sehr verehrten Damen und Herren, erzähle ich das? Und warum erzähle ich das? Schlicht weil wir Chinesen in Sachen „sich erinnern“ haargenau die gleichen, quälenden Ambivalenzen erleben, mit ihnen ringen, etwa mit Erinnerungen an die Kulturrevolution. Gleich Ende der 1970er Jahre, kaum war jener Spuk mit Millionen Toten vorbei, rief uns die Kommunistische Partei auf, unsren Blick nach vorne in die Zukunft zu richten – hin zum Geldmachen! Nichts mehr mit roten Idealen wie der Befreiung der Menschheit. Nein, wir sollen, ja müssen ab sofort nur uns selbst befreien, von leeren Geldbörsen. In meiner Jugendzeit kleideten sich genügend Chinesen aus Peking und Shanghai und legten sich dazu einen unbeholfenen Akzent zu, um nicht als Festlandchinesen erkannt zu werden – aus Taiwan oder wenigstens Hongkong wollten wir stammen, um nicht durch Schatten unsrer Vergangenheit wie der Kulturrevolution beschämt zu werden.

Anstelle rechtsgesonnener NPD-Leute in Dresden erinnerte sich um 2007 der chinesische Autor Zhang Chengzhi aus Ningxia an die Kulturrevolution als seine Jugend, die er keinen einzigen Deut bereue, allen Toten, Geschmähten, Gefolterten und Zerstörungen zum Trotz. Und aus welchen Gründen und Kausalitäten auch immer. „Qingchun Wuhui“ (Keine Reue für meine Jugend), titelte er seine Memoiren.

Im Hinblick auf die Wucht der Erinnerungen, der sich ein Mensch so oder so nicht entziehen kann, und im Hinblick auf die freudsche Gefahr, verklärte und unterdrückte Erinnerungen könnten Menschen um Verstand bringen und zu Psychopaten verunstalten, - gibt es im Hinblick auf dies alles um das „sich erinnern“ herum denn gar keinen Unterschied zwischen Deutschland und China, zwischen Deutschen und Chinesen?

Ein Unterschied fällt mir auf: In Deutschland sind - noch - keine bedrückenden Hinweise auf eine so genannte Wiederholung der Geschichte – jenen Faschismus im Besonderen – erkennbar, auch wenn Pegida und AfD genügend Menschen hierzulande große Sorgen machen. Doch uns Chinesen holen Erinnerungen an die Kulturrevolution, denen so viele von uns all die Jahrzehnte aus dem Wege gehen wollten, mit jedem Tag mehr wieder ein. Bisweilen habe ich gar den Verdacht: Ich erinnere mich gar nicht erst an jenen Spuk. Jener Spuk ist womöglich noch allgegenwärtig.

2012 brachen in mehr als 200 chinesischen Städten Massendemonistrationen gegen Japan aus. Wogende Meere der roten Fahnen, lautes Gebrüll der Revolutionslieder, hie und da skandierte einer Mao-Zitate wieder, um dann jeden und jede, der oder die sich dem Massenmob widersetzte, aus ihren Autos zu schleppen und zu verprügeln. Das war keine zurückliegende Erinnerung. Es ist ein Teil der chinesischen Gegenwart.

Seitdem verschwinden hunderttausende Menschen wochen-, ja monatelang spurlos. Niemand weiß, wo sie sich aufhalten, was mit ihnen geschieht. Irgendwann geben amtliche Medien bekannt, wer von den Verschwundenen wieder auftaucht, als verurteilte Verbrecher, gebrandmarkte Übeltäter oder gestürzte Hochverräter. Keine traumatisierende Erinnerung aus 1966, als die Kulturrevolution die Wucht des Roten Terrors, wie es hieß, ominös entfaltete. Nein, es ist ein Teil der chinesischen Gegenwart. Datum: 2016.

Gewiss: die Menschheit sollte die heutige Jugend nicht mehr befreien, wie einst Vorsitzende Mao angeordnet hatte. Stattdessen zählt die Propaganda Jahre, wenn nicht schon Tage, bis die chinesische Nation wieder an die Spitze der Welt eilt und das Modell China der Menschheit den Weg in die Verheißung weist. Der Vorsitzende, der uns Chinesen dazu aufruft, trägt einen anderen Namen. Dennoch flüstern sich kritische Geister in China einander zu: Ist die Kulturrevolution wieder da? Mir dünkt es: Sie ist nicht wieder da, sondern vielleicht noch nicht vorbei?

Ach ja, noch ist die Frage nicht ganz beantwortet: Warum erzähle ich Ihnen das, meine sehr verehrten Damen, meine Herren? Uns alle, in der einen oder anderen Form, tangieren die Fragen um das „sich erinnern“ so oder so. Nun setzen sich zwei Künstler, Ni Shaofeng und Deng Huaidong, wie wir mit den gleichen Fragen auseinander. Nur sie sind kreativer, kunstvoller und sie tun dies in Form von ausdruckstarken Bildern, die sie „Facetten des Erinnerns“ nennen. Und heute haben die Künstler uns alle, Chinesen, Deutsche oder Menschen von woanders her eingeladen, mit ihnen gemeinsam dieser Frage von uns Menschen schlechthin nachzugehen. Ihrer Einladung folge ich mit pochendem Herzen. Ich hoffe, Sie, meine sehr verehrten Damen, meine Herren, ebenfalls.

 

Ich danke Ihnen.


 

2016年11月德国汉堡展宣传片


Eine Auswahl von Skizzen von NI Shaofeng ist zurzeit im KOMMUNALES KINO METROPOLIS (Kleine, Theaterstraße 10, D-20354 Hamburg) zu sehen.

倪少峰作品的部分草稿将在KOMMUNALES KINO METROPOLI影院同时展出。


China im Gespräch: War da was? China erinnert sich nicht gerne an die Kulturrevolution, 13. Juli 2016, Berlin, veranstaltet von der Bosch Stiftung

对话中国,2016年6月13日,伯林,由罗伯特·博世基金会举办 



Öffnungszeiten:

Mo. – Sa. 10.00 Uhr bis 19.00 Uhr
Sonntags nach Vereinbarung (bei Vermietungen / Veranstaltungen etc)

Telefon: 040 / 36 90 09 – 7
Telefax: 040 / 36 90 09 – 99
Mail: rathauspassage@passage-hamburg.de

Die Ausstellung ist bis zum 16. März in den Räumen der Rathauspassage zu sehen. Diese Passage befindet sich unter dem Rathausmarkt - am einfachsten zu finden über den U-Bahn-Zugang vor dem Bucerius Kunstforum.

2016年3月汉堡市政厅走廊展海报及展览现场照片